“Ich mag das total”, sagt der Kronsohn. Oder: “Das will ich unbedingt machen, Mama, verstehst Du das?!” Überhaupt klingen die Sätze des kleinen Prinzen so richtig echt erwachsen. Sein Geheimnis: Er benutzt alle Wortarten – und besonders gern Füllwörter. An dieser Aufgabe knobeln seine Altersgenossen noch. Ansonsten ist der Kronsohn mit zweieinhalb vor allem eins: eine Dampflok. Mit lauten sch-sch-sch-sch-sch dampft er durch die Welt. Und eine Schiene findet er immer und überall, eine echte auf dem Pflaster oder zur Not eine ausgedachte. Gelegentlich macht er dabei Familienaufstellung: “Ich bin die Dampflok, Mama und Papa sind die Wagons”. So dirigiert er die Eltern durch seine Welt. Das Dirigieren liegt ihm überhaupt sehr. Kronsohn mit zweieinhalb weiß genau und sehr detailliert wie die Welt zu sein hat. Er ist der oberste Regisseur im Königreich. Da haben es die Statisten (König und Königin) manachmal schwer mit ihren Ideen und Vorstellungen.
Manchmal läuft Kronsohn wie aufgezogen plappernd durch die Gegend. Dann tigert er umher, in einen intensiven Monolog versunken. Das ist immer dann, wenn er besonders gut gelaunt ist. Das hat fast immer mit … Dampfloks zu tun. Womit sonst? Deshalb geht die Familie auch zum Betriebsbahnhof wenn es sich ergibt, zum Dampfloktag am nahen Heimatbahnhof oder nur zum Hauptbahnhof – Züge gucken.
Kronsohns Welt mit zweieinhalb ist bunt und interessant. Mal spielt er Suppekochen mit der kleinen großen Schwester, hüpft herauf und herunter, klettert oder versteckt sich im Kletterwald (warum nennen die Eltern das Klettergerät Hochsofa?), rutscht ganz allein die höchsten Rutschen hinunter, spielt auf dem Klavier programmierte Songs, läuft auch mal rückwärts, hört gern Musik und singt (er hat ein unglaubliches Liedtextgedächtnis) und dichtet sich seine eigenen Lieder. Wenn er mag, malt er Dampfloks oder Eistüten (auf Papier) oder, was die Eltern nicht mögen, mit Wachs auf die schöne weiße Wand. “Das ist mein Zimmer”, sagt er zur Begründung. Die Eltern sind sprachlos.
Gern pflanzt Kronsohn auch Blümchen und gießt sie mit den verschiedenen Gießkannen. Sein Brot, das schmiert der Kronsohn selbst – und macht dabei bereits eine gute Figur. Bücher sind auch wieder ganz groß, aber nur, wenn Kronsohn sie aussucht und blättern darf. Alle zwei Wochen kommen die Schwestern, Oma R. holt ihn dienstags vom Kindergarten ab, am Samstag kommt Opa H. mit leckeren Mitbringseln. Es ist so viel los in Kronsohns Leben. Da kann man verstehen, dass er andere Prinzen und Prinzessinen nicht braucht zu seiner Unterhaltung. Deshalb mag er den Kindergarten nicht. Nur die eine, die sich auch schon sehr gewandt in der Welt der Sprache bewegt, die mag er. Mit ihr will er in den Zoo und ein Eis essen. Sagt er. Doch die Eltern der Prinzessin G. haben leider andere Dinge im Kopf, so dass Kronsohns erstes Date noch ein wenig auf sich warten lässt.
Statistik gibt es auch. Kronsohn mit zweieinhalb: 14 Kilogramm, 95 Zentimeter, Konfektionsgröße 98, Schuhgröße 25.
DH